Innovation der Kaffeetasse | Die Idee zu KRUG

|Simon Schoßböck

Eine Kaffeetasse als Ausgangspunkt für innovative Ideen? Kurios aber wahr: Im Fall von KRUG führte ein alltägliches Meeting zur zündenden Projekt-Idee, die wir bis zu einer Hightech-Kaffeetasse weiterentwickelt haben, die ohne Löffel und Kleckern auskommt, recyclingfähig und dabei trotzdem noch nahezu unzerstörbar ist! Erfahren Sie im Folgenden, wie wir durch Zufall und Beobachtung auf eine unserer erfolgreichsten Produkt-Ideen kamen oder tauchen Sie direkt in den spannenden Entwicklungsprozess ein, der unter „Making of KRUG“ näher beleuchtet wird.

Die Idee

Klassische Meeting-Situation in der Modellbau-Werkstatt zwischen Kreissäge, CNC-Fräsmaschine, Werkbank und Sandstrahl-Kabine. Nach und nach kommen alle Beteiligen zum geplanten Ort des Geschehens. Beinahe jeder hält bereits eine in der Hand – einige Leute fehlen noch- genau aus diesem Grund: auch Sie holen sich noch eine Tasse Kaffee.

Man könnte sich nun über die Wartezeit bis zum Eintreffen aller beschweren! Aber jeder weiß – ohne Kaffee sind die Meetings eigentlich undenkbar. Wie auch generell der gesamte Arbeitstag - ohne Kaffee und die willkommene Auszeit mit gesellschaftlichem Kontakt – nicht das Gleiche! Aber auch im Privatleben: Allein schon morgens aufzustehen ohne das gewohnte Ritual – unvorstellbar.

Eigentlich interessant: Kaffeegenuss hat einen beeindruckenden Stellenwert in unserem Alltag und generell in unserer Gesellschaft.

Der Blick durch die Runde zeigt: fünf von sieben Teilnehmern halten eine Tasse in der Hand.

Wobei – nicht ganz: Zwei Anwesende sind gerade leicht gestresst damit beschäftigt einen Abstellplatz für ihr Getränk zu finden, da es langsam ziemlich heiß wird an den Fingerspitzen.

Grund: Bei einer Kollegin ist der Henkel abgebrochen. Die Hand am Tassenrand gerät im wahrsten Sinne ins Schwitzen. Einen Henkel hat die Tasse unseres Modellbauers zwar noch – dessen Finger sind aber deutlich zu groß, um das Gefäß daran sinnvoll halten zu können sodass auch er den Becher im Moment möglichst schnell loswerden möchte.

Interessant.

Der Blick schweift weiter. Direkt neben der Bohrmaschine wird gerade ein beherzter Schluck genommen – der noch in der Tasse befindliche Löffel verfehlt dabei knapp das Nasenloch und zieht stattdessen das Augenlied des Trinkenden in eine leichte Grimasse. Es folgt kurzes Murren und das Entfernen des tropfenden Löffels, der dann in einer kleinen Kaffee-Pfütze auf der Werkbank endet.

Interessant.

Es fällt auf: Unsere Praktikantin macht das deutlich manierlicher. Sie rührt ein paar Mal und klemmt den Löffel anschließend zwischen Tasse, Hand und mitgebrachter Untertasse ein, sodass zwar ein leichtes Klimpern vernehmbar ist, aber zumindest keine weiteren Betriebsgegenstände verschmutz werden. Ihr kleiner Finger leidet offensichtlich etwas unter der Aufgabe, Tasse, Löffel und Untertasse abzustützen, aber kleinere Opfer zum Kaffeegenuss müssen natürlich erbracht werden.

Interessant.

Ganz gemäß Vorurteil erfolgt zuletzt der Blick zur eigenen Hand. Eine dünne aber kopflastige Porzellan-Tasse mit fahlblau-rosa Art Déco Aufdruck – absolut unwürdig für ein Designstudio. Und der Kaffee darin ist kalt – da über zehn Minuten alt.

Interessant.

Ein neues Produkt

Minuten später: Diskussion entbrannt – Begeisterung geweckt. Kaffeegenuss ist ein völlig vernachlässigtes Thema, vor allem, wenn es um das Trinkgefäß geht. Es herrscht Einigkeit: Ein hoch-interessantes Gebiet, um an einer Innovation zu arbeiten.

Rasch entsteht ein überraschendes Spektrum an Anforderungen und zugleich Ansatzpunkten, rund um die Entwicklung einer innovativen Tasse, die dem Ritual des Kaffeegenuss gerecht werden und möglichst viele damit verbundenen Aspekte deutlich verbessern kann.

Das spontane Brainstorming zeigt - wir brauchen:

-         ein hochmodernes Design mit einer ergonomischen und zugleich ansprechenden Gestaltung

-         die Möglichkeit zu durchmischen und umzurühren, ohne zusätzliches Geschirr zu bekleckern

-         Schutz gegen zu heiße Finger, aber auch zugleich kein zu rasches Auskühlen

-         eine ideale Entfaltung des Kaffee-Aromas in Duft und Geschmack

-         eine deutlich höhere Stabilität und Strapazierbarkeit als herkömmliche Tassen

-         eine einfache Reinigung in der Spülmaschine und am besten auch die Möglichkeit zum Erwärmen in der Mikrowelle

-         eine angenehme Haptik, sowohl in der Hand, vor allem aber an den Lippen!

 

Think out of the box

Sobald der Terminplan es zulässt, legen wir mit der Entwicklung los. Glücklicherweise befassen wir uns gleich zu Beginn mit dem Thema des Löffels und dem damit verbundenen Rühren des Kaffees. Dieser Aspekt hatte im Rückblick zentralen Einfluss auf alle weiteren Themen, von Materialwahl über Produktionsmethode bis hin zum Design.

Die ersten Ansätze waren aus heutiger Sicht geradezu verrückt – von fingerbetätigten Handhebeln im überdimensionalen Griff, die über kleine Riemen eine Scheibe unter der Tasse rotieren lassen, welche wiederum einen magnetischen Rührstab im Inneren bewegt, bis hin zu seltsamen 2 in 1 Henkeln, die sowohl zum Rühren, als anschließend auch zum Halten der Tasse geeignet sind, war alles dabei.

In diesem Stadium gilt: nicht sofort zu sehr hinterfragen und die Kreativität erst einmal blühen lassen.

Wie so oft brachte uns schließlich auch hier der berüchtigte Satz „think out of the box“ den entscheidenden Schritt weiter: 

Anstatt mit einem Rührer den Kaffee in der Tasse zu „drehen“, könnte man doch auch den entgegengesetzten Weg gehen und die Tasse „um den Kaffee“ kreisen lassen! Nach solchen Einfällen scheint es oft, als würden viele Bausteine des gesamten Vorhabens plötzlich wie von selbst in ihre richtige Position fallen:

Eine drehende Tasse wäre ein tolles, haptisches Feature und wer liebt es nicht, seine Hände stets nebenbei mit einem spielerischen Objekt beschäftigt zu halten!

Der frühere Rührstab oder Löffel – nun ganz einfach integraler Teil der Tasse selbst! Eine stilvoll geschwungene Rippe, die organisch aus dem Rand entsteht und die vermischenden Turbolenzen erzeugt.

Auch das Thema Henkel, welcher in gewissem Maße immer ein Fremdkörper im Tassendesign ist, löst sich nun von selbst: eine rotierende Tasse würde durch einen Henkel nur gestört. Wir streichen ihn und geben stattdessen dem Gefäß selbst eine Grundform, die angenehm und vor allem sicher in der Hand liegt. Die markante Kegelform ist gebohren!

 

 Zu Beginn einer Entwicklung scheint der Fortschritt oft rasend schnell und das Produkt nimmt rasch Form an, unabhängig davon, ob es sich um eine Kaffeetasse, ein Motorbauteil oder einen Geschenkartikel handelt! Tatsächlich legt die innovative Idee und der erste Entwurf aber nur den Grundstein für eine fundierte Entwicklung, die uns im Fall von KRUG deutlich tiefer in Hightech und Materialkunde geführt hat, als es auf Weg zum perfekten Kaffeegenuss notwendig erscheint! Interessante Einblicke in die cleveren Lösungen zeigen wir bei „Making of KRUG“ im Detail!